September - Dezember 2002
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Das zeitgenössische mexikanische Kino boomt - nicht nur Amores perros hat für volle Kinosäle gesorgt, ein Beweis für die rasant positive Entwicklung des Kinos im "Land des ewigen Frühlings" (B. Traven). Eine Fülle von Themen und Genres charakterisiert den Film in, über und aus Mexiko. Aus diesem Panorama sind Filme zu drei wesentlichen Themen zu sehen: die Grenze(n), die Stadt und die Moderne.

Lange wurde der Grenzraum vom mexikanischen wie vom US-amerikanischen Kino als ein gesetzloser Ort voller Gewalt, Ganoven und Drogen wahrgenommen. Ein Niemandsland ohne kulturelle Identität. "Das ist nicht das wirkliche Mexiko. ... wie alle Grenzstädte bringt sie das Schlimmste eines Landes hervor", lässt Orson Welles den Protagonisten Miguel Vargas in seinem legendären Film Touch of Evil von 1958 sagen. Einen ganz anderen Blick auf die Grenze haben die Filmemacher der 90er-Jahre. Ihnen bietet sie eine fruchtbare Zone der Interaktion, einen Raum zur Stärkung und Wiederbelebung der eigenen Identität. Häufig sind es Grenzüberschreitungen äußerer wie innerer Art, die die Protagonisten sich selbst erkennen lassen. In der Komödie Santitos etwa begibt sich eine Frau auf eine Reise, die aus der Sünde in eine innere Selbstreinigung führt. Eine ganz andere Katharsis hingegen erfährt der Rückkehrer in Bajo California: El límite del tiempo. Er pilgert von Los Angeles in das Land seiner Vorväter, wo er sich selbst findet.

Grenzüberschreitungen und Transformationen der mexikanischen Gesellschaft finden sich in vielfältiger Weise auch im urbanen Kino wieder. Die Megalopolis Mexiko-Stadt ist als Koordinatensystem gesellschaftlicher, politischer, sozialer und psychologischer Veränderungen ein beliebtes Sujet. So werden die verschiedenen Spielarten von Sehnsucht, Laster und Liebe auf vielfältige Weise miteinander verknüpft, wie in dem Melodrama El callejón de los milagros oder in der Komödie Vivir mata. Die Komplexität des metropolitanen Alltags offenbart sich immer wieder, besonders auffällig in dem preisgekrönten Werk Amores perros, einem Tryptichon, in dem sich die persönlichen Dramen der Figuren höchst unterschiedlicher sozialer Herkunft wie zufällig ineinander verstricken.

Ganz andere Akzente als die Vorstellung von kosmopolitischer Modernität setzen die Filme zum Thema Moderne. Sie erkunden die historischen und persönlichen Wurzeln einer "anderen Moderne", in der die eigene, aus einer ereignisreichen und konfliktgeladenen Vergangenheit hervorgegangenen Identität bewahrt wird. "Zurück in die Zukunft aus der Vergangenheit" könnte ein Motto dieser Filme sein, die häufig um historische Persönlichkeiten kreisend das eigene Selbstverständnis erkunden.

Ivan Trujillo und Francisco Ohem

Ivan Trujillo, Generaldirektor Filmoteca de la UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) und Francisco Ohem, Stellvertretender Direktor der Filmoteca de la UNAM, kuratierten das Filmprogramm.

In Zusammenarbeit mit IMCINE und der FILMOTECA der UNAM.


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20. September - 17. November 2002
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Amores perros

Santitos

Vivir mata
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