September - Dezember 2002
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Literatur- und Wissenschaftsprogramm
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Das Wortprogramm von MEXartes-berlin.de im Haus der Kulturen der Welt ist weder ein reines Literatur- noch Konferenzprogramm. Vielmehr wird hier, intellektuellen und literarischen Traditionen in Mexiko entsprechend, ein integriertes Programm literarisch-essayistischer Lesungen und intellektueller Diskurse und Diskussionen erprobt. Durch dieses Programm stellen sich drei zentrale Themen des Mexiko-Projekts - Grenzen, Stadt/Urbanismus und kulturelle Vielfalt - auf genreübergreifende und interdisziplinäre, man könnte sagen "hybride" Weise dar.

Vor allem seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnet sich die mexikanische Literatur durch ein breites Spektrum miteinander kommunizierender Gattungen und Formen aus. Neue Themen werden erprobt und neue Autorengruppen melden sich zu Wort. Der universalistische Großstadtroman entsteht, und in einer Art Gegenbewegung bildet sich die sogenannte barrio-Literatur heraus. In der Folge der blutigen Niederschlagung des Studentenaufstands auf der Plaza de las Tres Culturas in Tlatelolco am 2. Oktober 1968, die einen tiefen gesellschaftlichen Einschnitt markiert, entsteht u.a. mit Elena Poniatowskas "La noche de Tlatelolco" (1968) die dokumentarische Gattung der Testimonialliteratur. Es entwickelt sich in der mexikanischen Gesellschaft eine bis heute erstarkende, gleichzeitig aber von den jeweiligen gedanklichen Schulen modifizierte Forderung nach kultureller Heterogenität. Sie spiegelt sich in einer zunehmenden Präsenz und Bedeutung von Autoren und Autorinnen wider, die bis dahin nur geringe öffentliche Aufmerksamkeit erfahren hatten: besonders seit den 80er Jahren eine erwachende feminin-feministische Literatur, Literaturen der ethnischen Minoritäten und - von der anderen Seite der Grenze - seit den 70er Jahren die vielfältigen Stimmen der "Chicanos".

Ebenso ist der Wissens-Diskurs zu und aus Mexiko-Stadt ein vielschichtiges Gebilde unterschiedlicher Disziplinen: Stadt-Soziologen und -Ethnologen, Kulturpolitiker wie Philosophen stellen sich der Herausforderung, die unfassbare, überbordende "größte Stadt der Welt" zwischen historischem Vermächtnis und medial-kommunikationaler Moderne im Kontext von Globalisierung und Transnationalisierungsprozessen zu positionieren, um Möglichkeiten eines anderen, nach innen wie nach außen gleichberechtigteren urbanen Zusammenlebens zu erdenken.

Diese Ansätze aufnehmend, stellt das Wortprogramm eine Verbindungslinie her zwischen allen Einzelprojekten, die im Haus der Kulturen der Welt stattfinden.
Grenzgänger
Grenzgänger
Thema Grenze
Megalopolis
Megalopolis
Thema Stadt
Identitäten
Identitäten
Kulturelle Vielfalt
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