September - Dezember 2002
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Mexico City: Eine Ausstellung über die Wechselkurse von Körpern und Werten
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Die Ausstellung dokumentiert die Stellung des Einzelnen in einer der größten Städte der Welt, in der totale Armut und obszöner Reichtum täglich aufeinander prallen und Entführungen und Mord zum Alltag gehören. Die Performance von Santiago Sierra oder auch Iván Edezas authentisches Videomaterial einer Helikopterjagd auf Eingeborene, bei der die abgeschnittenen Ohren der Opfer zu begehrten Trophäen werden, verdeutlichen auf schockierende Weise die Diskriminierung und Ausbeutung der Unterschicht. Dagegen porträtiert Daniela Rossell die Reichen und Berühmten in ihren opulenten und hoch gesicherten Enklaven. Die Sexualität dieser blondierten Frauen wird zur bloßen Ware oder billigen Dekoration.

In Mexiko-Stadt hat jeder Körper seinen genauen ökonomischen Wert. Es ist nicht mehr nur die Arbeitskraft, die der Mensch einbringt, sondern sein Körper selbst wird zum Gegenstand eines ökonomischen Systems. Er wird zum Objekt, das geschützt und verteidigt werden muss oder eingetauscht werden kann. Unter den Prostituierten gilt: je weißer die Haut desto teurer; bei Entführungen bestimmen Prominenz und Reichtum die Höhe des Lösegelds. Eine bezeichnende Facette dieser Ökonomie der Körper beschreibt die fotografische Serie Ambulantes (Pushing and Pulling) von Francis Alÿs, in der die Menschen das Gewicht ihres eigenen Körpers gegen die Ware aufwiegen, die sie vom Markt nach Hause schieben oder ziehen.

Ein anderes Phänomen von Mexiko-Stadt ist die Koexistenz von Mensch und Tier, vor allem von Mensch und Hund. Das Wohl und Leiden der Menschen spiegelt sich in dem Leben der Hunde und umgekehrt: Die Diskrepanz zwischen Arm und Reich und die Gefahren und die Brutalität des Alltags sind nahezu identisch. So ist auch Jonathan Hernández' Sammlung unzähliger Plakate vermisster Hunde kein Aufruf an die Finder, sondern Lösegeldofferten an deren Entführer.

Mexiko City: Eine Ausstellung über die Wechselkurse von Körpern und Werten ist eine Koproduktion mit dem P.S.1/MoMA, New York, wo sie bis September 2002 gezeigt wurde. Nach ihrer Präsentation in den KW (Kunst-Werke Berlin) geht die Ausstellung ins Museo de Arte Carrillo Gil, Mexiko-Stadt. Die Ausstellung wurde realisiert Dank der Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes, des Consejo Nacional para la Cultura y las Artes (CONACULTA), des Mexico Institute of Cultural Cooperation und der Fundación Televisa, Mexiko.

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22. September 2002 - 5. Januar 2003
Eröffnung: 21. September 17.00 - 21.00 Uhr

Di - So 12.00 - 18.00 Uhr
Einritt: 4 Euro / erm. 2,50 Euro

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Francis Alÿs

Daniela Rossell (Detail)
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