September - Dezember 2002
MEXartes-berlin.de / Home
MEXartes-berlin.de / Home




"Ungeduld ist Leben"
Pluralitäten, Kontraste und Synthesen der mexikanischen Moderne

Von Günther Maihold
Moderne - Start
... Nicht nur am Beispiel von Mexiko wird deutlich, dass die lateinamerikanischen Gesellschaften von einem überschäumenden Modernismus, zugleich aber von einer unvollständigen Modernisierung gekennzeichnet sind. Zunehmend sind die traditionellen Trennlinien zwischen lo culto (Hochkultur), lo popular (Volkskultur) und lo masivo (Massenkultur) verwischt worden; hybride Formationen haben sich zwischen allen sozialen Schichten herausgebildet: Die voluntaristische Logik des politischen Kulturalismus - wie sie gerade auch für die Suche nach einer mexicanidad maßgebliche Bedeutung hatte - ist an ihre Grenzen gelangt. Diese von Roger Bartra als "Oficio Mexicano" denunzierte Art der öffentlichen Produktion von Identitätsprojektionen ist als Teil staatlichen Kulturmanagements nicht mehr haltbar. Modernität ist nicht nur ein Raum oder ein Zustand, in den man nach Wunsch eintreten oder den man nach Bedarf verlassen kann, sondern eher eine Bedingtheit, die alles umfasst und damit einer andauernden definitorischen Suche unterzieht. Dieser verunsichernde Prozess einer fortwährenden Hybridisierung der Kultur lässt keine statische Festlegung einer mexicanidad und ihrer ästhetischen Dimensionen zu, sondern verweist auf den prozesshaften Charakter des fortwährenden Werdens und Wandels des "anderen" Mexikaners. Bislang für eindeutig gehaltene Grenzen verschwimmen, neue Abgrenzungen werden definiert und revidiert. Dieses Bild einer offenen, neue Verknüpfungen suchenden kulturellen Vielfalt und Gebrochenheit Mexikos scheint eine Gegenwart zu bestimmen, die sich gleichwohl von ihrer Vergangenheit nicht lossagen will und kann. Insofern bietet Mexiko einen Erfahrungsraum, der über die eigenen Grenzen hinaus Einblick in die Differenziertheit kultureller Globalisierungsprozesse gestattet.

(Letzter Absatz des im Reader veröffentlichten Textes)
>> kompletter Text

© Ulrich Wüst / + zoom

© Ulrich Wüst / + zoom
+ zoom: Klick auf Fotos
>>   kompletter Text

Biographische Angaben:

Dr. Günter Mainhold ist Soziologe und Politikwissenschaftler. Seit 1999 ist er Direktor des Ibero-Amerikanischen Instituts Preußischer Kulturbesitz, Berlin, einem der drei Veranstalter von MEXartes-berlin.de. Das Institut richtet in diesem Jahr die Jahrestagung der ADLAF Mexikos Weg(e) in die Moderne aus.
zurück