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Identitäten

Nicht nur in Mexiko-Stadt, auch im übrigen Land durchkreuzen sich unterschiedliche Ethnien und Kulturen als Ergebnis jahrhundertelanger Kolonisation, aber auch aktueller Migrationsströme. Im Süden des Landes existieren noch mehr als 60 regionale Sprachen. Insbesondere unter den Maya zeigt sich seit dem Aufstand der Zapatisten ein verstärktes Bedürfnis nach kultureller Identität und Autonomie. Um sich mehr Gehör zu verschaffen, gründeten zu Beginn der 90er-Jahre einige Autoren den Verband "Casa de los Escritores Lengua Indigena", der sich als Forum und Vertretung für indigene Schriftsteller versteht, die mit ihren Werken vor allem eine eigene historische Sicht präsentieren. Die diversen Aspekte und Implikationen kultureller Diversität, eine durchaus globale Thematik, gehören zu den wichtigsten Brennpunkten der aktuellen kulturpolitischen Debatte in Mexiko.

Das Programm beschäftigt sich mit der Funktion von Literatur, dem literarischen Selbstverständnis und der Entwicklung eines eigenen Identitäten-Konzepts der indigenen Völker innerhalb der politischen Landschaft Mexikos.

Kurator ist Carlos Montemayor, Schriftsteller, Sprach- und Kulturwissenschaftler und Experte für indigene Literaturen und Sprachen in Mexiko. Von ihm stammen die bisher umfassendsten Sammlungen indigener Literaturen. 1991 veröffentlichte er den Roman "Krieg im Paradies", der den Guerillakampf im Bundesstaat Guerrero Anfang der 70er-Jahre thematisiert.

Spanisch und Deutsch mit Simultanübersetzung.

>> Haus der Kulturen der Welt
31. Oktober - 3. November 2002, Eintritt frei


Donnerstag, 31. Oktober, 18 Uhr
Literatur als Erfahrung
Mit Natalio Hernández und Javier Castellanos Martínez. Moderation: Carlos Montemayor.
Anschließend diskutieren die Autoren über ihr literarisches Selbstverständnis und ihre Erfahrungen als indigene Autoren. Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Sprachen, die Spannung zwischen Spanisch und indigener Sprache im Schreibprozess?


Freitag, 1. November, 18 Uhr
Geschichtliche Paradoxien Mexikos
Vortrag von Carlos Montemayor, Moderation: Ulrich Köhler
In seinem Vortrag geht Montemayor den widersprüchlichen kulturgeschichtlichen Einflüssen Mexikos nach. Ausgehend von der kolonialen Konfrontation der europäischen mit der indigenen Bevölkerung beleuchtet er das Problem der Entwicklung eines eigenen Identitäten-Konzepts der indigenen Völker innerhalb der politischen Landschaft Mexikos.


Samstag, 2. November, 14.00 - 17.30 Uhr
Symposium: Indigene Literaturen und kulturelle Vielfalt
Das Symposium soll Aufschluss darüber geben, welche Bedeutung indigene Literatur für die mexikanische Gesellschaft hat. Die sozialpolitische Verantwortung der Autoren ist ebenso Thema wie die kulturelle, regionale, sprachliche und soziale Vielfalt. Was heißt es für einen Schriftsteller, Teil eines Vielvölkerstaates zu sein, mit Ungleichheiten und Unterdrückungsmechanismen?

Moderation: Carlos Montemayor

14.00 Uhr
Literaturverständnis und Funktion des Schriftstellers
Vortrag: Diego Méndez Guzmán

16.00 Uhr
Diskriminierung versus kulturelle Vielfalt
Vortrag von Santiago Domínguez Aké, Statement von Klaus Zimmermann.



Sonntag, 3. November, 11.00 Uhr
Religiosität und Spiritualität - das Totenfest im "indigenen" Kontext
Lesung und Gespräch: Diego Méndez Guzmán und Santiago Dominguez Aké.
Im Anschluss an die Lesungen von Diego Méndez Guzmán und Santiago Dominguez Aké geht das Gespräch mit allen zu diesem Wochenende aus Mexiko eingeladenen Autoren der Frage nach der Verarbeitung religiöser Themen und Motive in den Texten indigener Autoren nach. Mythen und Rituale finden ebenso Einzug in ihr Schreiben wie alltägliche Heilungspraktiken.


(Änderungen vorbehalten)

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