September - Dezember 2002
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Nortec Collective

Am Eröffnungswochenende legten DJs und VJs des Nortec Collective zusammen auf.
Nortec Collective
Nortec Manifest

"Zehn Dinge, die man tun sollte, bevor man 'The Tijuana Sessions Vol.1' von Nortec Collective hört":

•  Alles vergessen, was man über Tijuana weiß. Vergesst billige Prostituierte, Matrosen auf Landurlaub, staubige Straßen, Drogenbosse, die aus halbautomatischen Waffen feuern, dressierte Esel. (...)

•  Wissen, dass es ein ganz anderes Tijuana gibt. The Nortec Collective sind Musiker, Grafikdesigner, Architekten, Filmemacher, bildende Künstler und Modemacher aus Tijuana und Ensenada. Ihr Tijuana ist eine Grenzmetropole mit fast zwei Millionen Menschen und ein wichtiges Zentrum der globalen Popkultur, ebenbürtig mit Tokio, New York, Los Angeles und London. Tijuana ist die wichtigste Schaltstelle der beiden Amerikas. Hier fließen Kulturen, Geld, Sprachen, Stile, Wanderarbeiter und Klänge (viele, viele Klänge) ohne gültige Papiere ineinander. (...)

•  Wissen, dass das Nortec Collective weder ein Ding noch ein Genre noch eine Gruppe oder Band ist, sondern eine komplette elektronische Ästhetik. Nortec ist die Abkürzung für "norteño-techno", und das ist der Zusammenfluss von Hightech und Lowtech, von Nord und Süd, von allem, was mit Techno zu tun hat - die sequenzierten Breakbeats und Klangmuster, die Raves, die Manipulationstechnologie, die gesampelten Cutups - und allem, was zur ländlichen oder städtischen Welt der Cowboyhüte und Troddelärmel im nordwestlichen Mexiko gehört. Vor allem geht es dabei um die Musik: Der Norteño, die Ranchera und die Banda sinaloense sind drei der traditionsreichsten, wichtigsten und kommerziell erfolgreichsten Gattungen in der mexikanischen Unterhaltungsmusik. Alle drei sind mexikanische Hybride aus Polka und Walzer, die deutsche Farmer nach Mexiko gebracht haben. Man erkennt sie sofort an den Ziehharmonikas, den akustischen Bässen, den blechernen Trompeten und Posaunen, den großen trötenden Tubas, den dröhnenden Basstrommeln und an den prasselnden Trommelwirbeln. (...)

•  Wissen, dass es im mexikanischen Baja California seit 15 Jahren eine starke Musikszene gibt. Dazu gehören Gruppen wie Avant Garde, Artefakto, Vandana, Ford Procco, 3dtv, DJ Tolo, Tlahuilia und der Tijuana House Club THC (von späteren Nortec-Musikern wie Fussible und Bostich gar nicht zu reden). Es gibt Labels wie Mil und Nimboestatic, außerdem Kunstzeitschriften wie das von Fritz Torres (Clorofila) herausgegebene Magazin Cha3. Man sollte auch wissen, dass diese Szene zum Teil von Tijuanas Rolle als Grenzhauptstadt der "Maquiladora"- oder Joint-Venture-Elektronikindustrie und von seiner Nähe zu San Diego profitiert. (...)

•  Wissen, dass das Nortec Collective nicht allein auf weiter Flur steht (Zoo Sónico, Aquadelfin, Nona Deliches oder Irradia warten auf Entdeckung). Aber wie niemand sonst hat Nortec Mexiko in den Strudel des Techno gestürzt. Diese Leute haben den deutschen und englischen Techno - Tangerine Dream, Yello, Cabaret Voltaire, Aphex Twin und Kraftwerk - für sich entdeckt und mit der einheimischen mexikanischen Musik verarbeitet, die ihre Eltern einst im Wohnzimmer spielten. (...)

•  Wissen, dass das Nortec Collective offiziell 1999 entstand, als Pepe Mogt von Fussible mit dem Samplen von alten Banda-sinaloense- und Norteño-LPs begann und diese Klänge auf seiner Festplatte und seinem Synthesizer tweakte. Genau diese Tech-Mex-Küche des Paste and Copy ist bei The Tijuana Sessions Vol.1 am Werk. Auf dieser Platte finden sich unter anderem Aufnahmen von Norteño-Straßenmusikanten, die in den Rotlicht-Bars der Innenstadt von Tijuana spielen. (...)

•  Wissen, dass die Musiker des Nortec Collective bei Raves in ganz Mexiko, Japan und Deutschland die Massen begeistert haben. (...)

•  Wissen, dass Nortec die Grenze und dass die Grenze unsere Zukunft ist.
(aus dem Englischen von Herwig Engelmann)
Weitere Informationen: >> Culturebase

>> Haus der Kulturen der Welt

19. - 21. September 2002
jeweils 22.00 Uhr, Eintritt frei

>> Grenze(n)
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